Unter Urfaust (auch als “Faust. Frühe Fassung” bekannt) versteht man Goethes ersten Entwurf für sein Literaturwerk Faust. Er entstand in den Jahren zwischen 1772 und 1775, parallel mit Die Leiden des jungen Werther in Frankfurt am Main. Goethes Arbeitsprozess am Urfaust is nicht mehr zu rekonstruieren. Auslöser für die Idee des Urfaust war die Verurteilung und Hinrichtung der Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt. Die Kindsmörderin diente Goethe als Ansatz für die Gretchenfigur.
Nicht das Gelehrtendrama, sondern die Gretchentragödie steh im Zentrum von Goethes erster Bearbeitung des volkstümlichen Faust-Stoffes. Süchtig nach Rausch und Entgrenzung, auf der Suche nach den “Quellen des Lebens” verführt Heinrich Faust mit der Hilfe Mephistos die jungfräuliche Margarethe. Sie wird ihr Neugeborenes töten und dann den Henker erwarten.
Wahrscheinlich zwischen 1772 und 1775, in zeitlicher Parallelität zum Werther, ist der Urfaust ein wild-zerrissener, stürmisch-drängender Bilderreigen, dessen Szenen teils unverbunden nebeneinander stehen, teils in einer emotional hoch aufgeladenen Prosa verfasst sind, die noch nicht an die spätere Versform denken lässt.
Entdeckt wurde der Urfaust erst 1887, 55 Jahre nach Goethes Tod, die Uraufführung fand 1918 ub Frankfurt statt.